Mathematische Finesse der Abwrack-Prämie
codestyling | 16. März 2009 | 17:55
Weil nun auch bei uns eine Neuorientierung zum Thema Auto aktuell war, hatte ich mich am Rande mit der Abwrack-Prämie beschäftigt. Wenn man sich diesen 2500,- € mal von mathematischer Seite her nähert, dann bekommt das eine geschickt versteckte Dimension, die man nirgends gesagt bekommt.
Formal ist es ja eine feine Sache, für ein altes Auto einen Zuschuss aus dem Steuersäckl zu bekommen. Nur was und wem helfen die staatlichen Zuschüsse und warum geht das Geld dafür aus ?
Wenn niemand ein neues Auto erwirbt, gibt es auch keine staatlichen Einnahmen über die Mehrwertsteuer und auch der Automobil-Industrie stehen keine notwendigen Einnahmen ins Haus. Wie also die Bevölkerung dazu bringen, sich Fahrzeuge anzuschaffen? Man sponsore die Anschaffung mit einer Prämie, die das Kaufverhalten der Leute beeinflusst und dazu führt, daß dann doch Autos angeschafft werden.
Die mathematische break-even Rechnung für ein solches Sponsoring ist das Interessante an dieser Sache. Ich habe die Daten dazu mal in einen Chart gegossen. Gezeigt werden die Brutto-Neuwagenpreise (inklusive Mehrwertsteuer) und die Differenz zwischen der enthaltenen Mehrwertsteuer und der Prämie.

Die man aus dieser Grafik entnehmen kann, ist der break-even bei genau 15657,90 € erreicht. Das heißt, ab diesem Neupreis bekommt der Staat mehr Geld aus der Mehrwertsteuer zurück als er gesponsort hat. Ist der Neuwagenpreis noch deutlich höher, dann gibt das Rücklaufgewinne für die Staatskasse, nur bei Absatz von billigeren Autos würde der Staat drauflegen. Nur eben nicht die vollen 2500,00 € sondern wie im Beispiel anhand eines 9520,00 € Wagens gezeigt, mit maximal 980,00 € einspringen, was nur 39,2% der urspünglichen Summe als “Verlust” bedeutet.
Wem hilft das Ganze aber nun? Als erster Gewinner stehen die Autohäuser da, die derzeit ja einen Boom an Neuwagenverkäufen zu verzeichnen haben, sodaß deren Lieferzeiten momentan explodieren (schmerzlich selbst erfahren). Weiterhin ist diese Prämie ein versteckter Erlass der Mehrwertsteuer an Autohäuser bzw. Automobilkonzerne, wenn man so will eine staatlich initiierte Steuererleichterung oder Begünstigung, denn der Käufer bezahlt die Mehrwertsteuer des Autohauses mit der Prämie.
Der normale Kunde freut sich ebenfalls, weil er ja 2500,00 € weniger bezahlt für ein Auto, das er sich aber sonst gar nicht angeschafft hätte. Das Geld des Käufers wird aber nur umverteilt und der Bevölkerung sozusagen entzogen, die Staatskasse wieder aufgefüllt auf mindestens den Stand von vorher und die Automobilindustrie staatlich gesponsort.
Unter dem Strich bezahlt der Käufer seine eigene Abwrack-Prämie über die Mehrwehrsteuer zurück und hat ausserdem sein Geld in den Finanzkreislauf zurückgegeben. Die Banken freuen sich auf die neu reinkommenden Finanzmittel, denn diese ermöglichen nun wieder die Ausgabe von neuen Krediten, ein Teufelskreis, der nur neues Öl ins Feuer bekommen hat auf Kosten des Steuerzahlers wieder mal.
Und wie soll denn da das Geld ausgehen, wenn es doch Rückläufe gibt, die das durch die Prämie erzeugte neue Steuerloch mehr als schliessen können? Gar nicht ist die Antwort. Das ist nur ein psychologisches Argument, um den Transfer von Geld vom Steuerzahler zur Industrie und Finanzwelt jetzt noch schnell hinzubekommen, bis auch der Letzte gemerkt hat, dass er sein “letztes” Geld mal besser nicht in ein neues Auto investiert sondern für seine persönliche und familiäre Zukunft ausgegeben oder verwendet hätte.






Steffen
16.03.2009 | 19:51Den Teufelskreis, den du da siehst, sehe ich nicht wirklich. Ich meine, wenn man sich das nicht leisten kann und quasi nicht mit Geld umgehen kann und sich trotzdem durch den Anreiz zum Kauf “gezwungen” sieht, bitte. Ich persönlich greife ja auch gern mal zu einem Schnäppchen im Supermarkt, aber bei einem Auto werde ich dann schon zwei Mal überlegen obs sein muss oder nicht.
Die Sache mit der Mehrwertsteuer ist ein interessanter Aspekt. So gesehen ist das Abwracken eher eine Senkung der Umsatzsteuer, speziell zugeschnitten auf die Autoindustrie. Von einem “versteckter Erlass der Mehrwertsteuer an Autohäuser bzw. Automobilkonzerne” solltest du bei der Umsatzsteuer aber nicht sprechen. Die USt ist eine Verbrauchersteuer und wird vom Endverbraucher gezahlt und an den Fiskus abgeführt. Zahlt der Endverbraucher weniger, wird das Autohaus etc. trotzdem 19% USt der Bruttosumme abführen müssen. Der Käufer freut sich weil er weniger zahlt und die Autoindustrie weil durch den Anreiz der Absatz gestärkt wird. Oder sehe ich da was falsch?
Vielleicht hat man es nicht als Steuerpaket kommuniziert, weil es als Abwracken schneller im Kopf vom Bürger ankommt… und sicher sieht es für einen Poltiker schöner aus, wenn es so aussieht als wäre es eine neue Idee und eben nicht das althergebrachte Konzept der Steuererleichterung.
Es gibt übrigens auch Verlierer. Die Schrotthändler bekommen zwar haufenweise rein, haben aber keinen mehr, der ihnen die gebrauchten Teile abkauft, da die sich statt für eine Reparatur gleich fürs neue Auto entschieden haben.
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Kai
16.03.2009 | 22:19Abwrack-Prämie ?
Ich musste ernsthaft zweimal hinschauen - im ersten Moment glaubte ich mich im falschen Blog. Ich hätte nicht erwartet, das Du Dich in Deinem WP-PHP-CSS-JS-HTML-Blog auch mit mathematisch-politischen Themen beschäftigst - aber ich finde es gut. Es lockert auf.
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Stephan
17.03.2009 | 10:44Im Zusammenhang mit dem Begriff Abwrackprämie fällt ja auch immer wieder das Wort “Umweltprämie”. Wenn man dies jetzt mal unter dem Aspekt “Umwelt” beleuchtet und Deine nette mathematische Finesse hinzuzieht, sieht man, wie widersinnig das Ganze ist und wie wir wieder einmal ziemlich verarscht werden.
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André
04.04.2009 | 10:35Mensch da schaut man sich in der WP Welt um und findet was zum Umwelt/ Abwrackprämie….
ALternativ hätte man echt einfach die MWST senken können, aber dann hätte man natürlich nicht die günstigen Kleinwagen so stark gefördert. Falsch an der Sache finde ich nur, dass nun massig Autos aus anderen Ländern gekauft wurden und weniger Fahrzeuge aus Deutschland- so hilft es zwar dem Händler vor Ort, unserer Autoindustrie wohl kaum!
Hier gibt es auch eine nette Übersicht was für Fahrzeuge gekauft wurden: http://www.bafa.de/bafa/de/pressemitteilungen/2009/09_umweltpraemie.html
In Frankreich gibt es ebenfalls eine “Umweltprämie” aber nur für Fahrzeuge von französischen Marken…
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