“Na Zauberer, was hast du diesmal gebaut ?”
codestyling | 10. März 2012 | 22:18
Diese Begrüßung hab ich in den letzten 2 Jahren so oft gehört und immer geantwortet, dass ich doch nur das mache, was ich kann: programmieren. Mit Michael Preuss hab ich täglich telefoniert oder geskypet, es verging kein Tag, an dem wir wieder neue Ideen für “Xtreme One” ersonnen und auf den großen Stapel “Was wir noch machen wollen” gelegt haben.
Nun sitze ich am Laptop, sehe Micha’s Skype Nick als Offline und warte darauf, dass er sich seinen Kaffee holt und online geht. Aber das wird nicht mehr passieren.
Statt seine Stimme zu hören, mit ihm Ideen auszubrüten oder seinen Besuch in Leipzig zu erwarten, bin ich am Donnerstag dieser Woche nach Görlitz gefahren, um meinem besten Freund die letzte Ehre zu erweisen.
Ich kann es nicht in Worte fassen, wie es ist, die Nachricht zu erhalten, dass Michael nach schwerer Erkrankung plötzlich und unerwartet im Krankenhaus verstorben ist. Es hat mir den Boden unter den Füssen weggerissen und ich versuche immer noch, ihn wiederzufinden.
Michael habe ich am 14.02.2009 zum WordCamp in Jena kennengelernt. Ich hatte meine Lokalisierungs-Präsentation im Gepäck und Micha kam stolz wie ein Spanier mit seiner Alpha Version von “Xtreme One” zum Camp. Basierend auf Dirk Jesse’s YAML Framework und mit viel Erfahrung aus seinem YAML Green Theme hatte er ein Theme Framework dabei, das seiner Zeit weit voraus war. Wir haben uns unterhalten, Erfahrungen ausgetauscht und waren uns gleich sehr sympatisch. Seit diesen Camp haben wir einen regen Austausch von Ideen und Codezeilen gepflegt, der seines Gleichen sucht.
Am Wochenende vom 11./12. Juli 2009 gab es dann ein WP Engineer Meetup bei Frank Bueltge in seinem neuen Haus, und ich wurde mit ins Team aufgenommen. Ab diesem Moment hat sich unsere Freundschaft rasant entwickelt, ich erinnere mich an den schönen Abend noch genauso, als wäre es gestern gewesen.

Noch morgens im Hotel hat mir Micha dann die neueste Version von “Xtreme One” in seinem Hotelzimmer gezeigt, wobei man das nicht Hotelzimmer sondern eher bewohnbare Abstellkammer nennen konnte. Ganz direkt hat er mich dann gefragt, ob ich Interesse hätte, an diesem Projekt mitzuarbeiten, weil er meine bisherigen Arbeiten kannte und diese sehr schätzte. Ich habe keine Sekunde überlegen müssen sondern sofort zugesagt.
Seit diesem Tag hätten wir die Telefonanbieter reicher gemacht, wenn wir keine Flats gehabt hätten, denn wir haben täglich miteinander gesprochen und die Arbeiten per SVN ausgetauscht. Diejenigen, die Micha kannten, wissen es: Er konnte längere Gespräche am Telefon führen, als es manche Frau je fertig bringen würde.
Während der kontinuierlichen Arbeit am Projekt hat Micha mich dann in Sommer 2009 in meinem Haus in Leipzig zum ersten mal besucht, um mit mir über das Wochenende den nächsten Fahrplan für das Projekt zu besprechen und abends die Altstadt von Leipzig kennen zu lernen. Ja, mit ihm konnte man nicht nur über WordPress Themen sprechen sondern feiern und Spass haben, ich errinnere mich gut an Abende im Barfussgässchen, als wir uns köstlich ob der dargebotenen Junggsell(in)enabschiede amüsiert haben.
Im Herbst 2009 hat es mich dann hart getroffen, ich mußte meine langjährige Ehe abrupt beenden, denn Betrug in 2 facher Hinsicht ist nicht hinnehmbar. In der darauf folgenden Zeit hat mein Beitrag zum Projekt sehr gelitten, denn ich war am Ende meiner Kräfte und bin erstmal zu meinem Bruder gezogen. Micha hat mich in dieser schweren Zeit moralisch unterstützt und mir die Zeit gegeben, die ich brauchte. Er wollte seinen “Zauberer” nicht hergeben und hat immer auf mich vertraut, auch wenn ich gar nichts mehr beitragen konnte.
Als ich dann Ende 2009 meine liebe Freundin Nadiné kennenlernen durfte und sich eine so tiefe und innige Beziehung daraus entwickelte, ging es wieder aufwärts mit mir, und wir haben gemeinsam wieder am Projekt in alter Frische weiterarbeiten können.
In den darauf folgenden Jahren war Michael öfter in Leipzig, und wir haben viel über die Vergangenheit, das Jetzt und Hier sowie über die Zukunft gesprochen. Unser gemeinsames Ziel war es, dieses digitale Baby endlich großzuziehen und dieses als Lebensaufgabe weiter voranzutreiben. Micha war der Macher und Vermarkter, ich der Coder, der seine wildesten Ideen immer irgendwie hinbekommen hat, egal was er sich so gedacht hat.
Im Sommer 2011 war Micha dann wieder in Leipzig, um meine Freundin Nadiné und unsere neue Wohnung kennenzulernen und natürlich über “Xtreme One” zu fachsimpeln. Er hat bei uns übernachtet, und wir haben stundenlang auf dem Balkon gesessen, erzählt, gelacht und Spass gehabt. Heute bin ich froh darüber, dass Nadiné die Möglichkeit bekommen hat, Micha kennenzulernen, denn einen so feinen und lieben Menschen wie Micha findet man so selten.
Wir haben dann gemeinsam mit Micha beschlossen, dass es im Sommer 2012 endlich Zeit wird, auch mal Görlitz kennenzulernen und wollten Micha dann besuchen. Er wollte uns sein geliebtes Görlitz zeigen, mit uns nette Cafés und Kneipen besuchen und uns seine Stadt näherbringen.
Nun, wir waren jetzt beide 2012 in Görlitz, aber leider anders als es geplant war. Statt Altstadtflair und einem amüsanten Abend mit Micha, haben wir ihn zu Grabe tragen müssen. Es ist unfassbar, was das Leben einem geben und wieder nehmen kann. Ich werde Micha immer in meinem Herzen mit mir tragen und seinen Traum vom “Xtreme One” Projekt so gut wie möglich in seinem Sinne fortsetzen.
Die offizielle Bekanntmachung findet ihr im Xtreme Theme Blog. Wenn ihr seiner Familie ein wenig Trost spenden wollt, bitte ich euch, dort zu kommentieren.
… und ich schrecke bei jedem Telefonklingeln immer noch hoch und erwarte eigentlich : “Na Zauberer …”
Wenn ich doch nur zaubern könnte …






Monika
11.03.2012 | 18:33weißt, wie auch immer Du dazu stehst, aber ich bin mir innen drin sehr sehr sicher,
dass Du keinen Klingelton brauchst, um mit ihm zu kommunizieren,
auch keine Flat und kein Skype,
die neuen Erfahrungen, die Du mit Deinem Freund machen wirst, so einwendig innen -das Zentrum, das man bei Linux den “Kernel” nennt-da tief sehr tief innen — werden anders sein, als die Erfahrungen, Gespräche vorher.
Doch sie werden da sein -
Freunde oder Freundinnen sind genauso wie Kinder Gäste auf Zeit,
es tut nicht weniger weh, wenn man dies durchdenkt, doch dieser Gedanke verleitet zumindest mich dazu Augenblicke sehr intensiv wahrzunehmen.
Du hast diese Fähigekeit auch in Dir drin, Du fühlst sehr fein,
ich wünsche Dir, dass Du deine Trauer in all ihren Facetten leben kannst, damit Du dann frei und leicht mit ihm innen drin kommunizieren kannst, weil da drin hat der Tod keinen Stachel der weh tut.
Monika
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DJ Melosine
12.03.2012 | 19:23das kommt erschreckend plötzlich - ich habe den Link im WP Dashboard geklickt und einen völlig anderen Inhalt erwartet. Ich kannte Micha wohl nur von Support-Forum, kann aber Deinen Verlust aus eigenen Erfahrungen nachvollziehen. Ich wünsche Dir für die nächsten Tage/Wochen /Monate genug Kraft! viele Grüße aus Leipzig, Alex
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Dieter
15.03.2012 | 18:29Ich bin betroffen und traurig über den viel zu frühen Tod von Micha. Seinem Baby Xtreme One werde ich - auch in Erinnerung an ihn - die Treue halten. Micha hatte mir gegenüber über Deine Programmierfähigkeiten geschwärmt. Deine WordPress-Plugins sowie Xtreme One zeigen in eindrucksvoller Weise, dass das völlig berechtigt war und ist. Dass er auch immer ein offenes Ohr für seine Freunde hatte, passt zu meinem Bild von ihm. Danke, dass Du, Alex und seine Frau sein Baby Xtreme One in seinem Sinne fortsetzt. Würde mich freuen, wenn sich mal bei einem WordCamp oder einem anderen Anlass die Möglichkeit eines Treffens mit Alex und Dir ergeben sollte.
Deine Worte haben mich sehr berührt.
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